Cover zum Buch von Tina Braun
"Die Blickwinkelspinne"

Life is a Story - story.one

Eine humorvoll erzählte Geschichte über die Begegnungen einer Hauswinkelspinne und der Menschen, aus einem unerwarteten Blickwinkel betrachtet… Herrlich spannend und sehr informativ!


#1

...Eine kleine Spinne, die flink zwischen zwei Ziegel krabbelt. Es gibt kein Erbarmen. Mit einem Satz ist die Jägerin zu den Ziegeln gesprungen! Schon kramt die scharf bekrallte Pfote nach dem Achtbeiner. Doch Wilhelmine ist nicht aus ihrem Unterschlupf zu kratzen. Zwar hat der Frost ihr tüchtig zugesetzt, doch blöde ist sie nicht. Und so harrt sie geduldig aus, bis die Katze schließlich gelangweilt abzieht...


#2

Wilhelmine ist grenzenlos schockiert. Ihr ist länger schon bekannt, dass manche Menschen keine Beinhaare haben. Aber dass da Absicht dahinter steckt, das hätte sie in tausend Jahren nicht erwartet! Schaudernd stellt sich Wilhelmine ein Leben ohne ihre wunderschönen Beinhaare vor. Sie wäre einzig auf ihre Augen angewiesen, und die sehen nicht besonders gut. Andererseits funktionieren Menschen sicher anders als Wilhelmine. Vielleicht benutzen sie ja nur ihre Kopfhaare zum Tasten und Schmecken ... Wozu haben sie dann aber überhaupt Beinhaare? Wilhelmine ist schlimm verwirrt. Komische Wesen, diese Menschen...


#3

Der Efeu ist ein bisschen gammelig, aber dadurch lässt sich die eine oder andere Trauermücke blicken. Im Blättergewirr spinnt sich Wilhelmine einen wunderbaren Tunnel mit Sessel drin. So lässt es sich doch auch aushalten, denkt sie, und kuschelt sich in ihr Nest.


#4

... Sie kommt der Mücke immer näher ... Und schnappt sie sich! Die Mücke summt und sirrt im Versuch, sich von Wilhelmine loszumachen! So viel Lärm macht die Mücke, dass die Menschen davon aufwachen und schlaftrunken das Licht anmachen. Das Licht fällt auf Wilhelmine, die durch den Lampenschirm einen riesengroßen Schatten auf die Wand wirft. Ein schrecklicher Männerschrei zerreißt die nächtliche Stille, als er den Spinnenschatten erblickt, doppelt so groß wie er selbst!


#5

“Oh, hallo Spinne.”, schluchzt Wanja und breitet ihre Handfläche aus, sodass Wilhelmine darauf klettern kann. “Ich wünschte, ich wäre mehr wie du. Wenn andere Spinnen gemein zu dir sind, kannst du sie einfach auffressen.” ”Einfach ist das nicht.”, erklärt Wilhelmine Wanja. “Ich muss die andere Spinne ja erstmal erwischen und Spinnen durchschauen meineTricks dann doch etwas schneller als so eine einfache Assel. Aber danke.”


#6

Doch Karla reagiert anders als Leon, und anders als Wanjas Vater und anders als jeder andere Mensch, den Wilhelmine je getroffen hat. Naja, nicht ganz anders. Ähnlich wie Wanjas Vater schreit sie kurz auf. Aber dann greift Karla in ihre Tasche und holt eine Dose raus. Wilhelmine kennt Dosen. In menschengemachten Wäldern liegen immer mal Dosen. Wenn sie neu sind, locken sie manchmal Ameisen an. Alte Dosen sind häufig hohl und ein Super-Unterschlupf. Aber die Dose von Karla ist böse. Sie zischt und plötzlich fängt die Welt sich zu drehen an. Wilhelmine atmet ekelhaften Dunst ein. Was ist diese Abscheulichkeit? Ohne viel zu denken, ergreift Wilhelmine die Flucht. Weg von diesem Zeug!